Shoppinglust, oder -frust?
Ich wollte meine Sonne, Mond und Sterne zu Weihnachten gerne mit einem Grammophon überraschen. Ich brauche euch ja nicht zu erzählen, wie sie auf solch alten Kram abfährt, sonst wärt ihr ja nicht hier 🙂 Aber selbst ich finde alte Trichtergrammophone toll und so machte ich mich auf die Suche bei eBay. Nach einigem suchen fand ich es dann: „antikes Grammophon von His Masters Voice“. Sehr schön und ganz besonders, denn solch ein Modell hatte ich noch nie gesehen. Dies hätte mir gleich eine Warnung sein sollen, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 400,00€ sollte das gute Stück kosten, mit der Möglichkeit einen Preisvorschlag zu senden. Dies tat ich dann auch mit 350,00€+15,00€ Versand und erhielt den Zuschlag. Da freute ich mich noch wie Bolle. Ich malte mir schon aus, was das wohl für ein strahlendes Gesicht zu Weihnachten geben wird. Doch dann kam alles ganz anders. Ich wollte unbedingt heraus bekommen, von wann dieses Grammophon wohl wäre. Ich befragte also Tante Google und wurde einfach nicht fündig. Was ich aber fand, waren Seiten, die sich eingehend mit dem Thema Grammophon und Schellack-platten beschäftigen. Dort las ich immer wieder: Echt, oder Crapophon? Was zum Himmel ist denn nur ein Crapophon? Ich konnte es mir schon denken, denn Crap ist ja nicht nur ein Gitarrist von Oomph!, sondern bedeutet in erster Linie ja auch etwas wie Exkremente um es mal nett auszudrücken. Ich wurde stutzig und schaute mir die Artikel darüber genauer an. Ein Crapophon ist kurz gesagt ein Fantasiebau von Grammophonen, die es so nie gab. Sie sind meist in Indien produziert, wo man mit alten Ersatzteilen und neuen, schlecht gefertigten Teilen Crapophon herstellt. Es gibt dafür einige ganz untrügerische Anzeichen. Ich versuchte also, diese mit den Bildern meines gerade erstandenen „Schatzes“ zu vergleichen. Doch siehe da, kein einziges Foto zeigte einer dieser Stellen, an denen man den Unterschied erkennen kann. Mir schwante Böses und ich sollte Recht behalten. Einige Tage später kamen die Pakete, ich packte aus und was soll ich sagen? Alle Crapophon Anzeichen waren bei meinem Gerät vorhanden 🙁 Statt strahlender Augen gab es nun tief hängende Mundwinkel 🙁 Den Rest der Geschichte nur ganz kurz zusammen gefasst, denn von meinem Streit und hin und her mit dem Verkäufer mag ich gar nicht erzählen. Er lenkte relativ schnell ein, was die Orginalität des Gerät betraf, wollte mir aber sämtliche Versandkosten aufdrücken. Nachdem ich dann den Vorschlag machte, ich könne die Sache auch anzeigen und eine Expertise einholen, wurde es ihm dann aber wohl doch zu brenzlig und er gab das ganze Geld zurück. Allerdings bin ich schon gespannt, ob da wohl noch etwas nachkommt, wenn er das Gerät zurück hat. Ich könnte es mir gut vorstellen. Damit die Geschichte aber nicht nur für mich einen Lerneffekt hat, möchte ich euch anhand meines Falls mal die untrügerischen Anzeichen zeigen:

Seht ihr den Knick unten am Trichter? Den gab es bei Grammophonen so nicht. Die waren immer rund. Außerdem sieht man noch eine Lötstelle rings um den Knick. Der nächste zu beachtende Punkt: Der Trichter besteht aus aller dünnsten Blech.

Speziell bei His Master´s Voice Geräten gab es nie eine Abdeckung auf der Schalldose! Wie man im nächsten Foto auch erkennnen kann, ist es bei mir auch eine Schalldose aus russischer Produktion. In den meisten Fällen sind diese Schalldosen aber plump gefälscht und es steht noch His Master´s Voice in der Aluminium/Blechabdeckung.

Auf dem nächsten Foto sieht man wie schräg die Kurbel im Gehäuse sitzt. Dies deutet stark darauf hin, dass hier der Motor eines Koffergrammophons verbaut wurde.

Was man auch erkennen kann, ist das der Plattenteller abgeschrägt ist. Dies gab es erst um 1930.
Ein weiteres, klares Merkmal ist das Firmenzeichen. Man sieht deutlich, dass es ein schlechter Ausdruck ist.

Wer sich für das Thema interessiert, sollte sich diese Seite anschauen: Grammophone
Es würde mich freuen, wenn dieser Artikel auch nur einem dabei helfen würde Ärger und Enttäuschung zu vermeiden.
Oh, was für ein Pech! Zum Glück hast Du wenigstens Dein Geld zurück bekommen, aber die Freude ist ja trotzdem dahin… Ich hoffe für Dich, dass Du irgendwann ein wunderschönes und vor allem echtes Grammophone finden wirst!
Hallo Editha, vielen lieben Dank 🙂 Ich bin dran an dem Thema 😉 Wobei meine Liebste sicher darauf hofft, dass wir nach Belgien zum Flohmarkt fahren müssen^^ Viele Grüße André
http://www.tongeren.be/Toerisme/Tourismus_Tongeren/Antiquitätenmarkt
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